Besuch einer Hausarztpraxis während des Sommers der Berufsausbildung am 13. September 2022 in Potsdam
© BFB

Gemeinsam besuchten Staatsministerin Reem Alabali-Radovan und BFB-Präsident Friedemann Schmidt am 13. September 2022 eine Hausarztpraxis in Potsdam, in der junge Menschen mit Fluchtgeschichte ausgebildet werden. Auch der Verband medizinischer Fachberufe (VMF) war durch Präsidentin Hannelore König vertreten. Sie sprachen dort mit der Medizinischen Fachangestellten Sarah Al-Shkief und dem Ausbilder und Hausarzt Dr. Ingo Musche-Ambrosius. Im Gespräch berichtete die medizinische Fachangestellte (MFA) Sarah Al-Shkief über ihren Arbeitsalltag und ihren Werdegang in Deutschland. Dabei kamen viele Facetten der beruflichen Bildung und der Arbeitsmarktintegration von ausländischen Menschen zur Sprache. Vom Weg als junge Mutter in den Beruf MFA über Herausforderungen durch die Coronapandemie.

Die junge motivierte Mutter brachte sich am Anfang ihres Aufenthalts in Deutschland seit Dezember 2015 selbst Deutsch durch Onlinevideos bei. Anschließend ergriff sie die Chance, eine Ausbildung als MFA bei Dr. Musche-Ambrosius aufzunehmen. Dadurch baute sie ihre Sprachkenntnisse deutlich aus, sodass sie demnächst ihr Medizinstudium aufnimmt. Sie betonte im Gespräch: „Die Ausbildung gibt ein neues Leben.“

„Wir stärken die Vielfalt in der Ausbildung.“

In der Hausarztpraxis von Dr. Musche-Ambrosius sind aktuell zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, darunter vier Ärztinnen und Ärzte und acht medizinische Fachkräfte, darunter eine Auszubildende. In diesem Jahr schlossen zwei Medizinische Fachangestellte mit Fluchthintergrund ihre Ausbildung bei Dr. Musche-Ambrosius ab: Sarah Al-Shkief und Mohamad Latouf.

Besuch einer Hausarztpraxis während des Sommers der Berufsausbildung am 13. September 2022 in Potsdam
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V. l.: Friedemann Schmidt, Sarah Al-Shkief, Dr. med. Ingo Musche-Ambrosius


Dr. Musche-Ambrosius unterstrich: „Gut ausgebildete Fachkräfte sind der Schlüssel einer guten Patientenversorgung und tragen zum Erfolg einer Arztpraxis entscheidend bei. In der Coronapandemie sind Ärztinnen und Ärzte mit ihren medizinischen Fachangestellten über sich hinausgewachsen und haben die Bekämpfung der Pandemie maßgeblich getragen. Als Hausarzt engagiere mich gerne auch als freiberuflicher Ausbilder und sorge selbst für den Nachwuchs. Dazu kommt ein Integrationseffekt, denn die Ausbildung zur/m Medizinischen Fachangestellten hat viel mit Team-Arbeit und engem vertrauensvollen Zusammenwirken zu tun, was sich vor allem auch über die Sprache vermittelt. Ich habe hier beste Erfahrungen gemacht und freue mich, dass ich diese mit dem Besuch der Integrationsbeauftragten zum Ausdruck bringen kann.“

Staatsministerin Alabali-Radovan sagte: „Fachkräfte werden in allen Branchen händeringend gesucht, besonders auch im Gesundheitswesen, in Arztpraxen und Krankenhäusern. Der Mangel wird sich extrem verschärfen, wenn wir nicht gemeinsam handeln. Dazu gehört, dass wir mehr Ausbildungschancen für junge Menschen mit Fluchtgeschichte schaffen. Alle Jugendlichen in unserem Land müssen ihre Potenziale einbringen können, ob in Berlin, Damaskus oder Mariupol geboren. Sie brauchen faire Chancen und gute Perspektiven, um sich ein Leben aufzubauen. Davon profitieren auch die Unternehmen. Denn auch ohne perfekte Deutschkenntnisse sind viele top motiviert und lernen schnell, das zeigen mir die persönlichen Gespräche und Besuche wie der heutige. Das Ziel der Bundesregierung ist es, allen Jugendlichen eine Ausbildungsgarantie zu geben. Damit fördern wir nicht zuletzt auch die Diversität in den Betrieben.“

Besuch einer Hausarztpraxis während des Sommers der Berufsausbildung am 13. September 2022 in Potsdam
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V. l.: Dr. Ingo Musche-Ambrosius, Hannelore König, Reem Alabali-Radowan, Peter Klotzki


Friedemann Schmidt unterstrich: „Die duale Ausbildung ist ein essenzieller Baustein der Fachkräftesicherung und bietet jungen Menschen vielversprechende Perspektiven. Mit dem gemeinsamen Engagement der Allianz-Partner im Sommer der Berufsausbildung setzen wir gerade in diesen Zeiten, in denen besonders Menschen aus der Ukraine zu uns flüchten, ein wichtiges Zeichen und können ihnen Mut machen. Bei uns sind Talente gefragt und werden geschätzt. Die duale Ausbildung ist ein wertvoller Schritt zur Integration – in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft. Gerade bei uns Freien Berufen können junge Menschen als Auszubildende in Berufen, in denen sie viel mit Menschen zu tun haben, mit einer zusätzlichen Sprache und ihrer interkulturellen Kompetenz punkten. Die Freien Berufe als drittgrößter Ausbildungsbereich sind stolz darauf, dass bei ihnen der Anteil von Menschen mit ausländischen Wurzeln unter den Auszubildenden mit 18,3 Prozent am höchsten liegt."

Mit rund 18,3 Prozent weisen die Freien Berufe wie schon seit Jahren auch aktuell den höchsten Ausländeranteil unter allen Ausbildungsbereichen auf. Der Anteil der Auszubildenden mit Migrationshintergrund dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Die Freien Berufe tragen durch ihr Ausbildungsengagement zur Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund bei.

Besuch einer Hausarztpraxis während des Sommers der Berufsausbildung am 13. September 2022 in Potsdam
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V. l.: Peter Klotzki, Hannelore König, Sarah Al-Shkief, Reem Alabali-Radowan, Dr. med. Ingo Musche-Ambrosius, Friedemann Schmidt


Über den Termin berichteten Medien wie beispielsweise die MAZ.